Hilfe, mein Kind hört nicht auf mich, was kann ich tun?
Viele Eltern dürften die Situation kennen: Hände waschen, Zimmer aufräumen, zum Essen kommen…. oder morgens, halb acht auf dem Sprung in die Kita? Du musst alles mehrfach sagen, dein Kind reagiert aber einfach nicht? Es ignoriert die Worte und handelt auf eigene Faust oder rennt weg und tut genau das Gegenteil von dem, was du von ihm möchtest?
Für Eltern ist eine solche Situation natürlich wahnsinnig frustrierend. Manche fühlen sich durch das Verhalten ihrer Kinder sogar gekränkt, provoziert oder glauben, dass Kind verhalte sich so, um Grenzen zu testen oder sich absichtlich zu widersetzen. Von seinem Kind echten Gehorsam zu verlangen, ist sicherlich ein Relikt aus alter Zeit. Kinder müssen heute nicht mehr blind gehorchen, sie sollen allerdings kooperieren – mit den Eltern zusammenarbeiten.
Tatsächlich sind Kinder von Natur aus Teamworker, das heißt, sie wollen mit den Eltern gut auskommen und es „richtig“ machen.
Wenn Kinder sich jedoch unerwünscht verhalten und alltägliche Familiensituationen zum täglichen Machtkampf werden, ist das immer auch ein Ausdruck dafür, dass sich Kinder z.B. durch zu hohe Erwartungen der Erwachsenen überfordert fühlen…oder sie sind gerade mit etwas beschäftigt, was sie viel wichtiger oder spannender finden. So erleben Kinder die elterliche Unterbrechung als störend und ignorieren sie einfach. Oft sind sie sogar so sehr in ihre Tätigkeit vertieft, dass die Botschaft des Erwachsenen gar nicht richtig zu ihnen durchdringt. Kinder werde daher auch oft als „Hüllenwesen“ beschrieben, weil sie oft sehr in ihrer eigenen Welt sind und Ansprachen dann manchmal gar nicht richtig mitbekommen, obwohl sie sie scheinbar hören.
Doch wie können sich Eltern in so schwierigen Situationen richtig verhalten? Kinder senden in diesen Situationen eindeutige Hinweise. Immer, wenn Kinder überfordert und/oder gekränkt sind, geben sie Zeichen und Signale, anhand derer die Eltern erkennen können, was los ist. Nehmen Erwachsene die Haltung ein: „Das Kind tut nichts gegen mich. Es tut immer etwas für sich“, gelingt der Perspektivwechsel. Einfach ausgedrückt: Wenn dein Kind gerade nicht auf dich hört, dann hört es auf sich selbst.
Je heftiger Eltern in einer solchen Situation ihr Kind zu etwas drängen wollen, desto stärker wird sich das Kind dagegen wehren. Auch wenn es anstrengend ist: Eltern sollten nicht mit Macht reagieren, nach dem Motto: „Hier habe ich das Sagen“, sondern mit Verständnis und mit passenden Erklärungen. Ein Beispiel: Ihr müsst morgens schnell aus dem Haus, aber dein Kind will sich nicht beim Anziehen helfen lassen. Du weißt, dass die Zeit drängt. Versuche dies deinem Kind zu erklären: „Wenn wir nicht schnell losgehen, fangen die Kinder ohne uns zu singen an. Wenn ich dir jetzt helfen darf, schaffen wir das noch“. Ein ungeduldiges „komm jetzt endlich“ erreicht dagegen eher das Gegenteil.
Hier noch einige weitere Tipps, was du tun kannst, wenn dein Kind nicht auf dich hört:
- Ruhe bewahren. Achte darauf, dass du nicht unnötig unter Zeitdruck kommst. Plane die Verzögerungen mit ein. Für manche Wege mit Kind brauchst du eben doppelt so lange, als wenn du sie ohne Kind zurücklegst.
- Versuche genau hinzuschauen, um zu verstehen, warum dein Kind gerade nicht hört. Wenn du die Situation mit den Augen deines Kindes betrachtest, verstehst du leichter, warum es gerade nicht hören will. Oft hilft das schon, den richtigen Ton zu finden, Verständnis zu formulieren oder Angebote zu machen: „Ich sehe, dass du gerade ganz toll spielst. Wenn wir zurück vom Einkaufen sind, darfst du weiterspielen. Oder ich lese dir eine Geschichte vor“.
- alls dein Kind nicht hört, weil es gerade einen Trotzanfall hat, hilft häufig nur abzuwarten, bis die Situation vorüber ist. Schläge oder Strafen dagegen verschärfen die Situation. Sie sind keine Lösung, sondern die Ursache vieler Störungen im späteren Leben.
- Der Ton macht die Musik! Formuliere deine Sätze klar und präzise und sprich in ruhigem, aber bestimmten Ton. Führe die Stimme von oben nach unten, dass es als Aufforderung – nicht als Frage- deutlich wird („Ziehe deine Schuhe an. Wir gehen jetzt.“ Statt „Kommst du jetzt bitte?“)
- Bedanke dich im Voraus, lebe höfliche Umgangsformen vor! „Wasch bitte deine Hände, bevor du zum Essen kommst. Danke“. Durch das kleine Wort Danke fühlen sich Kinder eher verpflichtet, die Anweisung zu befolgen.
- Freiwilliges Handeln suggerieren. Der Drang nach Autonomie und Selbständigkeit ist besonders bei Kindergartenkindern sehr groß. Verschaffe deinem Kind Handlungsfreiräume, so dass es das Gefühl bekommt, selbst entscheiden zu können. „Ich habe was Leckeres gekocht. Möchtest du zuerst Blumenkohl oder Kartoffeln probieren?“ statt „Iss jetzt deinen Teller leer!“
Wenn Kinder spüren, dass ihre Grenzen wahr- und ernstgenommen werden, dann werden sie sich auch bemühen, die Grenzen der Eltern zu akzeptieren und mit ihnen zu kooperieren. So kann aus einem Gegeneinander ein Miteinander werden. Die besten Voraussetzungen für ein harmonisches Familienleben.