„Pickel, Tränen, Handyverbot“

Tipps für den Umgang mit Pubertierenden

Gelassen durch stürmische ZeitenTipps für den Umgang mit Pubertierenden

Aus irgendeinem Grund ist es durchaus gesellschaftlich akzeptiert, sich über Menschen in diesem Lebensstadium lustig zu machen. Über keine andere Altersgruppe wird so gespottet wie über unsere Jugend– man stelle sich vor, wir würden uns über das schlechte Gehirn oder die mangelnde Beweglichkeit älterer Menschen lustig machen. Undenkbar. Wir sprechen von „Pubertieren und lesen „Notfalltipps“. Jan-Uwe Rogge gibt sogar monatlich den sogenannten „Pubertäts-Überlebensbrief“ für Eltern raus (der inhaltlich sehr zu empfehlen ist!!). Warum fühlen wir uns „wie das Kaninchen vor der Schlange“, wenn das eigene Kind die ersten pubertären Anzeichen entwickelt?

Es liegt wohl tatsächlich daran, dass sie sich plötzlich so anders, so herausfordernd, so provokativ, so respektlos, so risikobereit, so uneinsichtig, so unausgeschlafen, so gechillt verhalten. Aber woran liegt das?

Heute weiß man, dass all diese Merkmale (und noch viele mehr) das Spiegelbild eines wichtigen Stadiums der Gehirnentwicklung sind. Pubertät ist keine Krankheit, sondern eine bedeutende und elementare Phase des Prozesses, durch den wir zu Individuen und sozialen Lebewesen werden. Auch wir haben diesen Prozess durchgemacht, auch wenn wir vor unseren Kindern behaupten, dass „wir lange nicht so schlimm waren wie sie jetzt“! Es ist aber nicht nur die körperliche und psychische Veränderung des eigenen Kindes, es ist vor allem die veränderte Beziehung zum eigenen Kind, die uns zu schaffen macht, ein Drahtseilakt des Teenagers zwischen dem Bedürfnis nach Distanz und Nähe. In der Pubertät löst sich die enge Bindung zu den Eltern plötzlich weitgehend auf, für die Teenager werden Mutter und Vater zu normalen Menschen mit vielen Schwächen Daraus resultieren viele Konflikte und Machtkämpfe. Sie haben das Gefühl, dass ihnen ihr Kind entgleitet. Eltern erleben durch die Pubertät ihrer Kinder einen regelrechten Liebes- und Kontrollverlust. Die hohe Kunst ist es, diesen Verlust nicht persönlich zu nehmen, sondern als Teil eines wichtigen Ablösungsprozesses zu verstehen. Je besser das gelingt, desto eher kann aus der alten Eltern-Kind-Beziehung eine neue Beziehung zwischen Erwachsenen werden.

Mit Sicherheit ist es eine der größten Herausforderungen für Eltern und nicht selten macht sich unter Müttern wie Vätern eine Mischung aus Hilflosigkeit, Ohnmacht, Verzweiflung und Überforderung breit.

Tipps für Eltern:

Im Gespräch bleiben
Stellt weniger Fragen, gebt mehr von euch selber preis!

Vertrauen
Vertraut auf die Ehrlichkeit und guten Absichten eurer Teenager. Wenn Jugendliche in Schwierigkeiten geraten, ist der Fehler fast immer auf schlechtes Urteilsvermögen zurückzuführen. Aber sie lernen daraus!

Bemühen statt Ergebnisse
Honoriert das persönliche Bemühen und beurteilt nicht nur die daraus resultierenden Ergebnisse!

Positives verstärken
Jugendliche brauchen Anerkennung und Zustimmung. Was gut gemacht wurde, sollte auch als solches bezeichnet werden – Positives verstärken!

Klare Regeln
Jede Familie braucht ein gewisses Maß an festen, klaren Strukturen und Regeln.

Wenn schimpfen, dann bitte privat und auf Augenhöhe
Teenager wollen ernst genommen werden. Wenn es also etwas zu bemängeln gibt, dann besser nicht in der Öffentlichkeit. Gesichtsverlust geht immer zu Lasten der Beziehung.

Streiten! Aber bitte mit Streitkultur.
Auseinandersetzungen gehören zum Familienalltag. Werdet nicht ironisch, höhnisch oder provokativ. Diese Verhaltensweisen sind Ausdruck der eigenen Aggression oder Hilflosigkeit und machen das Gegenüber nur aggressiver.

Abkühlungszeit wirkt Wunder
Wenn Emotionen außer Kontrolle geraten, sollten wir Diskussionen auf später verschieben.

Fehler zugestehen
Alle machen Fehler – dann gesteh das doch auch deinen Kindern zu. Die meisten Fehler von Jugendlichen geschehen nicht aus Böswilligkeit oder Selbstsucht – sondern aus Mangel an Erfahrung.

Respekt
Wer überreagiert, sollte sich entschuldigen – auch (und ganz besonders!) die Erwachsenen.

Berührung
Körperliche Zuwendung kann Wut, Kummer, Niedergeschlagenheit, Stress, Einsamkeit und Angst lindern – meist besser als jedes Gespräch.

Geduld und Liebe
Was Kinder in der Pubertät brauchen, ist: zu wissen, auf dieser Welt gibt es einen oder zwei Menschen, die wirklich glauben, dass ich okay bin.

Humor
Nicht jede Bemerkung persönlich nehmen. Versuche mit angemessenem Humor zu reagieren. Sarkasmus und Ironie sind jedoch völlig fehl am Platz.

„Du kannst die Wellen des Lebens nicht aufhalten, aber du kannst lernen, auf ihnen zu surfen.“
(Jon Kabat-Zinn)